Das Selbstbild stärken – eine Übung mit Sofortwirkung
Foto: Pixabay

Das Selbstbild stärken – eine Übung mit Sofortwirkung

Es kann manchmal eine echte Herausforderung sein, ein starkes und positives Selbstbild aufrechtzuerhalten. Eine wirkungsvoller Schritt, um das Selbstbild und damit auch das Selbstbewusstsein zu stärken, beginnt mit dem Wiederentdecken dessen, was einen als Persönlichkeit auszeichnet.

Wenn das Selbstbild gelitten hat

Viele meiner Klienten trauten sich nicht, eine für sie vermutlich gute Entscheidung zu treffen. Sie konnten ihre Stärken einfach nicht richtig einschätzen. Andere befanden sich schon länger in einer schwierigen Beziehung und hatten dadurch den Zugang zu ihren besten Eigenschaften verloren. Auch habe ich Menschen erlebt, deren Selbstbild aufgrund ihrer oder der schweren chronischen Erkrankung eines Angehörigen stark gelitten hatte.

Wenn wir uns selbst nicht mit positiven Augen sehen, erfahren wir als eine Folge davon oft negative Reaktionen aus unserer Umwelt – sozusagen spiegelbildlich zu unserem Selbstbild.

In solchen Lebenssituationen können wir leicht in einen Strudel von Negativität gelangen. Mit Selbstzweifeln verunsichern und schwächen wir uns dann immer weiter.

Warum es wichtig ist, sich seiner starken Seiten bewusst zu werden

In Seminaren schlage ich daher eine Übung vor, bei der man zunächst seine besten Eigenschaften auflistet und sich anschließend mit jemand anderem aus der Gruppe dazu austauscht.

Es geht dann immer ein Raunen durch den Raum, weil den meisten diese Aufgabe zu Anfang schwerfällt. Ein Coaching-Klient weigerte sich sogar entschieden, diese Liste zu erstellen. Er fand es überheblich, den eigenen starken Seiten mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Wenn wir jedoch unsere Selbstwahrnehmung und damit unser Selbstbild wieder vervollständigen und mit den starken Seiten ergänzen, die wir aus den Augen verloren haben, dann hat das viele positive Auswirkungen.

Das Selbstbewusstsein wird auf natürliche Weise gestärkt. Man kann sich auch schneller von Rückschlägen erholen und sich innerlich wieder aufrichten. Viele zuvor noch als schwierig erlebte Entscheidungen und Herausforderungen lassen sich mit mehr Zuversicht angehen.

Auch kann man in Stresssituationen leichter Ruhe bewahren, wenn man im Bewusstsein der eigenen inneren Stärke handelt. Durch ein positives Selbstbild strahlt man schließlich auch Selbstvertrauen aus, worauf andere wiederum positiv reagieren.

In den Seminaren verbessert sich die Stimmung nach der genannten Übung jedenfalls immer schlagartig. Auch der erwähnte Klient listete zu einem späteren Zeitpunkt dann doch noch seine besten Persönlichkeitseigenschaften auf und wirkte in der darauffolgenden Sitzung wie ausgewechselt.

Aufmerksamkeit wieder auf die guten Seiten lenken

Unsere Energie fließt dorthin, wohin unsere Aufmerksamkeit wandert.

Als Effekt davon erscheint das, womit wir uns gedanklich am meisten beschäftigen, mit der Zeit größer. Wenn es etwas Problembehaftetes ist, schwächt uns das. Ist es dagegen etwas Kraftspendendes, dann wird das in unserem Bewusstsein noch stärker. Mehr dazu in Emotionale Stärke und die Kraft positiver Gefühle und in Selbstachtung statt Selbstkritik.

Wenn man seine Aufmerksamkeit nun auf seine guten Seiten richtet und anfängt, sie anerkennend wahrzunehmen, dann spürt man unmittelbar einen Zuwachs an Energie. Es entsteht Selbstbewusstsein im besten Sinne des Wortes.

Diese bewusst gewordenen, starken Eigenschaften können schließlich eine von innen her stützende Wirkung entfalten, so wie die riesigen Lotusblatt-Schalen oben im Bild. Sie haben die Kraft einen zu tragen, auch in aufwühlenden, schwierigen Lebenssituationen.

Eine Übung für ein stärkeres Selbstbild

In früheren Beiträgen habe ich schon einige Übungen beschrieben, die eine emotional stärkende Wirkung haben. Da ist zum Beispiel die Wertschätzung der eigenen Leistung nach der Bewältigung einer Krise oder auch die Selbstanerkennung allgemein.

Wenn Sie möchten, dann nehmen Sie für die heutige Übung Papier und Stift zur Hand und schreiben Sie 12 Ihrer besten Charaktereigenschaften auf.

Manchen meiner Teilnehmer war das unangenehm und sie schrieben stattdessen Fähigkeiten auf, wie zum Beispiel: Ich kann gut kochen, ich kann gut zuhören, ich kann gut organisieren und ähnliches. Das ist nicht verkehrt. Es ist ebenfalls eine sehr gute Übung, ähnlich wie die Auflistung der persönlichen Kraftquellen. Die Fähigkeiten-Liste kann vor allem für berufliche Entscheidungen eine wichtige Rolle spielen.

Hier soll es aber um die besten Seiten Ihrer Persönlichkeit gehen. Ihre Liste könnte also zum Beispiel so anfangen: Ich bin großzügig, ich bin mutig, ich bin nicht nachtragend, ich bin …

Wenn Sie die Liste erstellt haben (es können auch gerne mehr als 12 Eigenschaften sein), gehen Sie dann jede einzeln durch. In welchen Situationen zeigen Sie diese Seite? Welche Wirkungen hat das? Wo könnten Sie noch mehr dieser wertvollen Eigenschaften zum Ausdruck bringen? Wobei könnte Ihnen das helfen?

Es hat sich übrigens bewährt, sich immer mal eine der Eigenschaften als Affirmation für den Alltag vorzunehmen, um sie im Bewusstsein zu behalten. Man bekräftigt dann innerlich eine der Eigenschaften in verschiedenen Situationen – zum Beispiel „ich bin großzügig“ – und lässt sich überraschen, welche Wirkung das nach sich zieht.

 

Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer, Beraterin, Trainerin und Supervisorin inspiriert ihre Klienten und Kunden, innere Leichtigkeit wiederzuentdecken und kraftvolle Lösungen in schwierigen Situationen zu finden