Sinne öffnen und innere Kraft bekommen
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Sinne öffnen und innere Kraft bekommen

Wie oft fühlen Sie sich in Ihrem Alltag so richtig lebendig? Wie oft sind Sie voll kreativer Energie und voller Freude an dem, was Sie tun? Wann sind Sie zuletzt in einem Zustand völlig ohne Stress gewesen? So wie kleine Kinder es sind. Die sind voller Neugier und Staunen, voller Begeisterung und mit intensiven Eindrücken über alle Sinne.

Routine erfordert wenig Aufmerksamkeit der Sinne

Wir erledigen die meisten Dinge des Alltags mit Routine, also mit gewohnten, automatische Handlungen. Die Fähigkeit, schnell und einfach Automatismen zu bilden, ist ja lebensnotwendig (s. a.  Die Macht alter Gewohnheiten). Jede Routine ist für den Organismus darüber hinaus auch ökonomisch.

Sie können bei Routinetätigkeiten sogar in Gedanken ganz woanders sein. Der Vorgang funktioniert trotzdem, beziehungsweise Sie funktionieren. Aber fühlen Sie sich dabei auch richtig energiegeladen und frisch? Sind Sie präsent?

Wenn seelische Erbauung keinen Raum bekommt

Bei Stress ist es nicht anders. Während Sie eine Tätigkeit ausführen, kreisen die Gedanken schon um die nächste und übernächste Aufgabe und um vieles andere mehr. Sie wollen das, was sie gerade tun, ja so schnell wie möglich hinter sich bringen.

Alles, was in Stresszeiten keine besondere Aufmerksamkeit und Hingabe erfordert, erscheint einem daher erst mal recht willkommen. Der Haken dabei ist: Man schöpft daraus aber auch keine neue Kraft. Man verliert die Präsenz.

Das, was man ständig wiederholt, wird zu einem Automatismus. Auch Stressverhalten wird dadurch irgendwann zur Gewohnheit.

Wenn man der Erneuerung der seelischen Kraft keine Bedeutung mehr beimisst, gewöhnt man sich mit der Zeit auch an den Zustand der Selbstvernachlässigung.

Kraft erneuern über die Sinne

Innere Kraft erneuert sich, wenn Sie ganz bei der Sache sind, die Sie gerade tun. Das bedeutet, wenn Ihre Sinne offen und aktiv sind und in Ihrem Körper etwas auslösen. Das ist Präsenz.

Viele Menschen regenerieren sich durch ein Hobby, das intensive Sinneserfahrung mit sich bringt, wie zum Beispiel ein Instrument spielen, im Garten arbeiten, kochen, malen und vieles andere mehr. Darin gehen sie dann richtig auf und verschmelzen mit dem, was sie tun.

Aber auch spontane Sinneserfahrungen können das Gleiche bewirken. Kennen Sie zum Beispiel das Gefühl der Ergriffenheit, wenn Sie einen Sonnenuntergang am Horizont betrachten? Oder standen Sie schon einmal vor einem üppig blühenden Kirschbaum und konnten angesichts seiner ganzen Pracht und Fülle nur schweigend staunen? Haben Sie schon mal eine Musik gehört, die Ihre Beine in Bewegung gesetzt hat?

Selbst wenn Sie sich an einen solchen Moment nur erinnern, löst das vermutlich schon eine anregende, wohltuende Reaktion in Ihnen aus. Intensiver ist es natürlich, wenn Sie es unmittelbar erleben.

Aufmerksamkeit für Sinneseindrücke

Bleiben Sie also bei der nächsten Gelegenheit vor einem blühenden Baum oder Strauch einen Moment lang stehen. Schauen Sie sich dieses Wunder an, riechen Sie den Duft der Blüten, horchen Sie auf das Summen der Bienen, die da vielleicht umherschwirren, spüren Sie die Wärme der Sonne auf Ihrem Gesicht oder die Feuchte der Luft, wenn kurz zuvor ein Regenschauer war.

Achten Sie anschließend auf Ihren inneren Zustand. Was empfinden Sie? Wie fühlt sich Ihr Körper an? Vielleicht ist er in leichter, freudiger Erregung, vielleicht auch in genussvoller Entspannung? Und was macht Ihr Atem? Wahrscheinlich haben Sie unbewusst endlich mal wieder tief durchgeatmet.

Die Sinne öffnen im Alltag

Das alles erfordert keinen besonderen Zeitaufwand, lediglich einen Moment der Aufmerksamkeit. Sie brauchen dafür auch keinen Frühling, obwohl es eine für die Sinne sehr intensive Jahreszeit ist. Sie brauchen nicht extra Natur. Alles kann Ihre Sinne anregen und Ihre Energie zum Fließen bringen. Wenn Sie sich dafür öffnen, können es auch ganz gewöhnliche Dinge sein, die Ihnen einen Energie-Kick geben.

Für den einen ist es beispielsweise das Geräusch der Kaffeemaschine in Erwartung des duftenden Morgenkaffees. Für jemand anderen ist es der Geruch von frischem Brot. Es könnte auch das vertraute Geräusch beim Öffnen der Haustür sein, wenn man nach der Arbeit nach Hause kommt.

Jemand, der auf die kleinen, scheinbar unbedeutenden Sinneseindrücke im Alltag bewusst achtet, erlebt den Tag als reichhaltiger und intensiver. Bewusst erlebte äußere Fülle erschafft ein Gefühl von innerer Fülle.

 

Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer, Beraterin, Trainerin und Supervisorin inspiriert ihre Klienten und Kunden, innere Leichtigkeit wiederzuentdecken und kraftvolle Lösungen in schwierigen Situationen zu finden