Wie wir mit eigenen Fehlern umgehen
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Wie wir mit eigenen Fehlern umgehen

Was bei einem Fehler passiert ist, lässt sich meist schnell benennen. Schwieriger ist dagegen, was er in uns auslöst. Oft entsteht daraus ein Selbstvorwurf. So geht es nicht nur darum, zu verstehen, wie es passiert ist, sondern auch darum, wie wir danach darüber denken.

Wenn ein Fehler zum Selbstvorwurf wird

Manchmal sagen wir etwas Unglückliches, treffen eine Entscheidung zu früh, übersehen etwas oder stimmen etwas nicht gut ab. Wir fragen uns, was passiert ist und wie es dazu kommen konnte.

Dabei meldet sich oft noch eine innere Stimme, die uns dafür tadelt. Obwohl von außen gar kein Vorwurf kommt, machen wir uns selbst einen.

Wir ärgern uns nicht nur über das, was schiefgelaufen ist, sondern auch über uns. So wird aus dem Fehler ein Vorwurf an uns selbst.

Woher die innere Kritik kommt

Unser Umgang mit Fehlern hat eine Vorgeschichte. Wie andere früher auf unsere Fehler reagierten, prägt auch unsere eigene Reaktion. Vielleicht waren es Kritik, Ungeduld oder enttäuschte Erwartungen, vielleicht auch nur eine bestimmte Art, mit Fehlern umzugehen.

Wenn wir solche Reaktionen früh erlebt haben, entwickeln wir ein Gespür dafür, wann ein Fehler zum Vorwurf werden könnte. Wir rechnen dann eher mit Kritik, auch wenn sie gar nicht kommt. Was früher von außen kam, läuft irgendwann in uns weiter, auch wenn die Situation heute ganz anders ist.

Sich selbst zu kritisieren, wird so zu einer vertrauten Art, auf eigene Fehler zu reagieren. Diese Reaktion setzt automatisch ein, noch bevor wir bewusst hinschauen, was eigentlich passiert ist.

Wenn der Fehler zum Urteil über uns selbst wird

Einen Fehler anzuerkennen und Verantwortung dafür zu übernehmen, ist etwas anderes, als sich selbst dafür zu kritisieren. Wir können anerkennen, dass etwas schiefgegangen ist und dass wir daran einen Anteil hatten.

Beim Selbstvorwurf verschiebt sich dagegen etwas: Aus dem Ärger über das, was passiert ist, wird Ärger über uns selbst.

Und je mehr wir uns damit beschäftigen, desto weniger Raum bleibt für einen genaueren Blick auf die Situation. Dabei wäre genau das hilfreich. Nicht um den Fehler zu relativieren, sondern um ihn zu verstehen: Welche Bedingungen haben eine Rolle gespielt? Was habe ich übersehen?

Ein anderer Umgang mit Fehlern

Vielleicht fällt beim nächsten eigenen Fehler auf, wann die tadelnde innere Stimme einsetzt. Sie muss nicht zum Schweigen gebracht werden. Vor allem muss man ihr nicht glauben. Es reicht, sie wahrzunehmen.

Wenn wir erkennen, dass diese Stimme lediglich eine vertraute Reaktion ist, entsteht ein wenig Abstand zu ihr. Der Fehler bleibt dabei derselbe. Wir können uns über seine Folgen ärgern, aber wir müssen ihn nicht zum Vorwurf an uns selbst machen. Mehr dazu in: Selbstachtung statt Selbstkritik – sich selbst unterstützen.

So kann Druck aus der Situation weichen. Wir müssen uns nicht mehr gleichzeitig mit dem Geschehen und mit unserem Ärger über uns selbst beschäftigen. Wir können genauer hinschauen, was zu dem Fehler geführt hat, was wir aus der Situation lernen können und was uns später helfen könnte.

Was uns im Umgang mit Fehlern entlastet, kann auch verändern, wie wir auf die Fehler anderer reagieren. Wo kein Vorwurf im Raum steht, wird es leichter, gemeinsam hinzuschauen, zu verstehen und daraus etwas für die Zukunft mitzunehmen.

 

Als Diplom-Psychologin, Beraterin, Coach und Supervisorin inspiriert Anna-Maria Steyer Menschen, innere Klarheit, Leichtigkeit und stimmige Lösungen auch in schwierigen Situationen zu finden.