Neue Kraft schöpfen: Das Glückstagebuch
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Neue Kraft schöpfen: Das Glückstagebuch

In schwierigen Lebenssituationen konzentriert man sich meist darauf, das Nötigste zu schaffen. Es ist dann nicht leicht, sich ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit zu bewahren oder gar neue Kraft zu schöpfen. In diesem Beitrag geht es um ein einfaches Abendritual, das täglich neuen Schwung geben kann.

Sind glückliche Momente im Alltag wirklich so selten?

Manchmal gewinnt man den Eindruck, dass beglückende und Kraft spendende Momente im Alltag seltener vorkommen als die schwierigen. Besonders dann, wenn Probleme die ganze Aufmerksamkeit fordern, scheint das Leben fast nur noch aus Herausforderungen zu bestehen.

Doch selbst in belastenden Zeiten gibt es erfreuliche Dinge. Wir bemerken sie nur seltener. Das liegt daran, dass wir uns gedanklich und emotional meist länger und intensiver mit dem beschäftigen, was uns belastet, als mit dem, was uns guttut.

Da man aber nur das wahrnimmt, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet ist, entgeht einem vieles, was schön und stärkend wäre. Genau das sollte wieder stärker in den Blick rücken.

Die Kraft der Aufmerksamkeit

Auch wenn wir andere Menschen oder äußere Umstände nicht verändern können – eine Freiheit bleibt uns immer: Wir können entscheiden, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Davon hängt ab, ob unsere Energie schwindet oder ob wir sie erhalten und neue Kraft schöpfen.

Die Herausforderung besteht darin, die Aufmerksamkeit im Alltag immer wieder bewusst auf das zu richten, was Kraft spendet, statt sich in negativen Gedankenschleifen zu verfangen. Die Drei-Sinne-Übung oder die emotionale Selbststärkung können das angenehm unterstützen.

Und das folgende kleine Abendritual mit dem Glückstagebuch ist eine einfache und zugleich kraftvolle Möglichkeit, den Blick regelmäßig auf das Gute zu richten und daraus Kraft zu gewinnen. Da die Übung selbst schon so guttut, wird sie leicht zu einer neuen, liebevollen Gewohnheit im Alltag werden können.

Glückstagebuch führen und neue Kraft schöpfen

Man besorgt sich dafür ein schönes Notizbuch, das man wirklich gerne in die Hand nimmt und legt es an eine Stelle, wo es nicht übersehen wird.

Abends, bevor man schlafen geht, lässt man den Tag noch einmal gedanklich vorbeiziehen und achtet besonders auf all das, was Freude bereitet hat oder woraus ein kleiner Kraftschub entstanden ist. Das können kurze Begegnungen mit anderen sein, freundliche Gesten, glückliche Zufälle oder einfach Dinge, die man gerne besitzt. Manchmal sind es nur kleine Glücksmomente, manchmal größere.

Dann schreibt man hinein: „Ich bin glücklich, dass …“.

An manchen Tagen wird es vielleicht schwerfallen, etwas zu finden, was man hineinschreiben möchte. Doch gerade dann lohnt es sich, dranzubleiben und einen wertvollen Moment zu entdecken. Gerade an solchen Tagen zeigt sich die besondere Kraft des Rituals. Es geht nicht darum, etwas schönzureden, sondern darum, dem Schwierigen nicht das letzte Wort zu überlassen. Oft reicht ein kleiner, unscheinbarer Moment, der einen Kraft schöpfen lässt.

Mit dem Ritual des abendlichen Glückstagebuchs lenkt man die Aufmerksamkeit immer wieder bewusst auf das, was stärkt und nährt, und schläft mit leichteren Gedanken ein als sonst.

So verändert sich mit der Zeit dabei nicht nur der Abend, sondern auch der Tag. Wer regelmäßig innehält und das Gute bewusst wahrnimmt, beginnt oft schon tagsüber genauer hinzusehen. Kleine, wohltuende Momente werden schneller erkannt, Positives bleibt länger im Gedächtnis.

Und so wirkt das Glückstagebuch nicht nur rückblickend und lässt neue Kraft schöpfen, sondern begleitet den Alltag auf unaufdringliche Weise.

 

Als Diplom-Psychologin, Beraterin, Coach und Supervisorin inspiriert Anna-Maria Steyer Menschen, innere Klarheit, Leichtigkeit und stimmige Lösungen auch in schwierigen Situationen zu finden.