Eine Gewohnheit ändern: wie Veränderung fast von selbst entsteht
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Eine Gewohnheit ändern: wie Veränderung fast von selbst entsteht

Manchmal merkt man, dass eine Gewohnheit nicht mehr guttut, und doch fällt es schwer, sich davon zu lösen. Das Vertraute gibt Halt, das Neue verlangt Kraft. Wer versteht, wie das Gehirn neue Muster bildet, kann eine Gewohnheit ändern, ohne gegen sich selbst zu kämpfen.

Wenn eine Gewohnheit Halt gibt und zugleich festhält

Eine Gewohnheit entsteht, weil etwas immer wiederholt wird. Jede Wiederholung stärkt die Verbindung im Gehirn. So wird aus einem bewussten Tun mit der Zeit ein vertrauter Automatismus, ein Verhaltensmuster.

Wichtig dabei ist zu wissen, dass dieser Mechanismus unabhängig davon funktioniert, ob das betreffende Verhalten gut oder schlecht ist. Das Gehirn unterscheidet hier nicht. Es speichert einfach alles als Gewohnheit ab, was regelmäßig gemacht wird.

Sobald das vertraute Muster aktiviert wird, läuft es schneller ab, als das bewusste Denken eingreifen kann. Das erklärt, warum man sich oft vornimmt, etwas anders zu machen und doch wieder bei der alten Gewohnheit landet. Eine Gewohnheit fühlt sich schließlich vertraut, angenehm und beruhigend an und sie gibt Halt.

Gewohnheit ist also kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck einer tief eingeprägten Sicherheit (s.a. Gewohnheiten ändern fällt schwer? 6 ermutigende Erkenntnisse). Genau hier liegt auch der Schlüssel zur Veränderung.

Der erste Schritt: bewusst entscheiden

Die Veränderung einer alten Gewohnheit, die nicht mehr guttut, beginnt mit einem klaren Entschluss.

Es muss ein Entschluss sein, der einen echten inneren Grund hat. Nur wenn der Wunsch stark ist und aus einem selbst kommt, bleibt die Energie, ihn auch umzusetzen.

Am Anfang braucht es diese Kraft, um dem angenehmen Sog der alten Gewohnheit zu widerstehen.

Doch sobald nach diesem Entschluss das Neue regelmäßig wiederholt wird, entsteht langsam und sicher daraus eine neue Gewohnheit. Mit ihr wächst auch das Gefühl innerer Stimmigkeit.

Die Gehirnforschung zeigt: Wer ein neues Verhalten konsequent übt, etabliert nach etwa sechs Wochen einen fest verankerten Automatismus.

Zu Beginn braucht es also den Willen zur Veränderung (s.a. Gute Vorsätze? So gelingt die Umsetzung). Doch mit jeder Wiederholung wächst das positive Gefühl, das aus der neuen Erfahrung entsteht. Das Neue wird nach und nach vertrauter, immer leichter, und schenkt schließlich ebenso mühelos ein gutes Gefühl wie einst das Alte.

Wenn kleine Ausnahmen zur Gewohnheit werden

Auf dem Weg zu einer neuen Gewohnheit kann es passieren, dass etwas dazwischenkommt oder man macht eine Ausnahme. Auch das ist normal. Entscheidend ist, wie man danach weitergeht.

Eine einzelne Ausnahme schwächt den Prozess nicht. Sie wird erst dann hinderlich, wenn sie zur Regel wird. Denn auch das Unterbrechen prägt sich ein. Wer das Neue immer wieder aussetzt, trainiert – ohne es zu merken – genau dieses Unterbrechen.

So entsteht langsam ein anderes Muster: das Muster, etwas zu beginnen und dann wieder aufzuhören. Das Gehirn verankert beides auf dieselbe Weise. Es unterscheidet nicht zwischen dem, was man möchte, und dem, was man vermeiden will. Es merkt sich nur: Das wiederholt sich.

Zu wissen, dass es so funktioniert, kann entlasten. Denn man muss nicht perfekt sein, nur achtsam.

Sobald man erkennt, dass eine Ausnahme beginnt, kann man sich entscheiden, weiterzugehen. Mit jedem bewussten Schritt auf das Neue zu wird es wieder ein Stück vertrauter, und das alte Muster verliert an Kraft.

Eine neue Gewohnheit entwickeln – Schritt für Schritt

Der Weg aus einer alten Gewohnheit führt nicht über Kampf, strenge Disziplin oder Selbstkritik, sondern über etwas Neues, das an ihre Stelle tritt. Jede kleine Handlung, die bewusst gewählt und wiederholt wird, stärkt das neue Muster.

Wichtig ist, nach dem bewussten Entschluss auch gleich zu beginnen, ohne zu viel zu überlegen oder darauf warten, dass erst mal alles perfekt ist. Denn zu viel Nachdenken öffnet die Tür zurück ins Alte.

In den ersten Wochen entscheidet die Wiederholung. Wer dranbleibt, spürt nach und nach, wie das neue Verhalten leichter wird. Dann ist Veränderung kein Kampf mehr, sondern etwas, das einfach geschieht.

Mit der neuen Gewohnheit wächst auch ein Gefühl von Zufriedenheit. Zu erleben, dass man sich Gutes tut und sich etwas verändert hat, stärkt von innen. Und das fühlt sich richtig gut an.

 

Als Diplom-Psychologin, Beraterin, Coach und Supervisorin inspiriert Anna-Maria Steyer Menschen, innere Klarheit, Leichtigkeit und stimmige Lösungen auch in schwierigen Situationen zu finden.