Viele Menschen möchten ihre Gewohnheiten ändern, etwa regelmäßig Sport treiben, gesünder essen, das Arbeitspensum anpassen oder mehr Zeit mit der Familie verbringen. Anfangs fühlt sich das Neue machbar an, doch nach einigen Versuchen setzt sich oft wieder das Alte durch.
Warum fällt es so schwer, sich etwas Gutes anzugewöhnen? Und warum scheint der „innere Schweinehund“ manchmal stärker zu sein als alles andere?
Die Antwort ist: er kann überwunden werden. Wer versteht, wie Gewohnheiten entstehen, kann ihre Kraft für sich nutzen.
Hier sind sechs nützliche Erkenntnisse, die zeigen, wie Veränderung gelingen kann.
1. Alte Gewohnheiten sind überschreibbar
Was oft wie ein unbezwingbarer „innerer Schweinehund“ wirkt, ist in Wahrheit eine alte Gewohnheit. Durch viele Wiederholungen hat sich ein automatisches Muster im Gehirn gebildet.
Dieses Verhaltensmuster leitet uns, ohne dass wir nachdenken müssen. Es ist vergleichbar mit einem Trampelpfad durch eine Wiese: Es zieht uns immer wieder auf diesen Pfad.
Die gute Nachricht: dieses Muster lässt sich bewusst überschreiben. Mit neuen, regelmäßig wiederholten Handlungen kann das alte Verhalten nach und nach abgelöst werden, ohne dass man gegen sich selbst kämpfen muss.
2. Der „innere Schweinehund“ ist kein Gegner
Der „innere Schweinehund“ ist also kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck einer natürlichen Fähigkeit: Das Gehirn kann Abläufe automatisieren, dadurch Energie sparen und Sicherheit bieten. Ohne diese Fähigkeit wären selbst einfache Handlungen wie Laufen, Essen oder Sprechen mühsam und wir wären ständig überfordert.
Wer Schwierigkeiten hat, eine Gewohnheit zu ändern, hat kein Handicap. Es zeigt nur, dass das alte, automatisierte Muster lange Zeit zuverlässig aktiv war. Und genau diese Stärke, also die Fähigkeit des Gehirns, Muster zu bilden, kann man für die Veränderung nutzen.
3. Gewohnheiten entstehen einfacher als gedacht
Gewohnheiten zu bilden ist kein komplizierter Vorgang. Im Gegenteil, das Gehirn liebt Wiederholung.
Jede Handlung, die regelmäßig ausgeführt wird, hinterlässt Spuren. Das sind tatsächlich kleine Pfade im Gehirn, die mit der Zeit stabiler werden.
Anfangs fühlt sich das Neue natürlich ungewohnt an, vielleicht sogar anstrengend. Doch jede Wiederholung stärkt die Verbindung im Gehirn. So wird die neue Handlung leichter und vertrauter, bis sie irgendwann automatisch abläuft.
Das ist vergleichbar mit einem neuen Trampelpfad durch eine Wiese: Anfangs muss man sich den Weg durch das hohe Gras erst noch bahnen. Doch je öfter man ihn geht, desto deutlicher wird der Pfad.
4. Vertrautes fühlt sich nicht ohne Grund gut an
Sobald ein Verhalten sich wiederholt, wird es immer vertrauter, und das Gehirn koppelt es mit Wohlgefühl. Dieses Wohlgefühl zieht uns an.
Auch den Trampelpfad gehen wir immer wieder, weil es sich besser anfühlt, ihn zu nutzen, statt quer durch das Feld zu gehen.
Das bedeutet: Wer etwas Neues regelmäßig ausführt, spürt zunehmend Vertrautheit. So wird aus bewusster Anstrengung nach und nach ein selbstverstärkender Prozess, der das neue Verhalten als Gewohnheit stabilisiert.
Das alte Muster verliert dabei zunehmend an Kraft, wie der Trampelpfad, der langsam wieder zuwächst, wenn er nicht mehr benutzt wird.
5. Neue Gewohnheiten brauchen lediglich etwas Zeit
Der Übergang vom bewussten Handeln zum automatischen Muster braucht lediglich etwas Zeit – etwa sechs Wochen. In dieser Phase ist es normal, dass Neues sich noch nicht richtig vertraut anfühlt. Davon darf man sich nicht beirren lassen, denn mit jeder Woche wächst das gute Gefühl von Vertrautheit.
Wer die neue Handlung regelmäßig wiederholt, legt Schritt für Schritt einen stabilen Pfad im Gehirn an. Geht man diesen Pfad konsequent, entsteht daraus eine verlässliche Gewohnheit.
6. Veränderung gelingt ganz ohne Kampf
Man muss also nicht gegen alte Gewohnheiten ankämpfen. Das kostet unnötige Energie und lenkt die Aufmerksamkeit immer wieder zum alten Verhalten, wodurch es sogar noch gestärkt wird.
Viel wirkungsvoller ist, den Blick nach vorne zu richten. Mit einer klaren Entscheidung (siehe auch Gute Vorsätze? So gelingt die Umsetzung) und bewusster Wiederholung wird das Neue Schritt für Schritt zum automatischen Muster. Das Gehirn übernimmt sozusagen den Rest (siehe auch Eine Gewohnheit ändern: wie Veränderung fast von selbst entsteht).
Die alte Gewohnheit verblasst nach und nach, wenn sie nicht mehr aktiviert wird. Die neue dagegen wird immer selbstverständlicher, sodass man sich zunehmend weniger anstrengen muss.
So zeigt sich: Veränderung ist kein Kraftakt, sondern ein Prozess, der sich Schritt für Schritt entfaltet. Jeder Schritt ins Neue hinterlässt eine Spur, die mit jeder Wiederholung stärker wird, während alte Gewohnheiten immer mehr in den Hintergrund rücken.
Als Diplom-Psychologin, Beraterin, Coach und Supervisorin inspiriert Anna-Maria Steyer Menschen, innere Klarheit, Leichtigkeit und stimmige Lösungen auch in schwierigen Situationen zu finden.
