Lösen aus dem Sog einer Gewohnheit

Lösen aus dem Sog einer Gewohnheit

Eine Gewohnheit ist bequem. Sie läuft automatisch ab, fühlt sich leicht und vertraut an. Alles Neue erfordert dagegen Anstrengung.

Warum sollte man sich die Anstrengung antun, wenn man sich im Gewohnten doch so angenehm sicher fühlt? Der Sog zum Wohlfühl-Zustand in uns ist groß. Genau aus diesem Grund sind alte Konditionierungen so stark.

Eine Gewohnheit schafft Wohlgefühl

Im vorigen Artikel („Die Macht alter Gewohnheiten – 6 gute Nachrichten“) habe ich die Mechanismen beschrieben, die zur Herausbildung einer Gewohnheit führen. Ein wichtiges Prinzip dabei lautet: Wenn man regelmäßig praktiziert, ist nach knapp 6 Wochen bzw. nach 40 Tagen das Neue zu einem Automatismus geworden.

Man braucht für diese erste Zeit den Willen, um zu ändern, was man beabsichtigt. Danach wird die Motivation durch das neu entstandene Wohlgefühl erreicht.

Dadurch strebt jetzt die neue Gewohnheit nach Wiederholung – ganz automatisch. Das ist Motivation von innen heraus. Durch jede weitere Wiederholung wird das Wohlgefühl größer und der Automatismus stabiler.

Wenn Ausnahmen zur Gewohnheit werden

Was passiert, wenn Sie in den ersten 40 Tagen eine Ausnahme machen? Das ist zunächst nicht weiter schlimm. Sie sollten nur wissen, dass die 6-Wochen-Phase hier von neuem beginnt.

Wenn Sie die Ausnahmen aber öfters zulassen, was passiert dann? Sie wiederholen dann das Unterbrechen Ihrer neuen Handlung und trainieren genau das. Dann wird dieses Unterbrechen als Gewohnheit im Gehirn verankert!

Sich nicht ändern können?

So hätten Sie dann – ohne es zu wollen – eine „Änderungsresistenz“ geschaffen. Diese wird schließlich jeden weiteren Versuch, Ihr ursprüngliches Ziel zu erreichen, wie selbstverständlich durchkreuzen.

Der biologische Mechanismus macht ja keine Unterscheidung zwischen einer erwünschten und einer unerwünschten Gewohnheit. Es funktioniert im Prinzip ganz einfach: Alles, was eine Zeit lang wiederholt wird, wird automatisiert.

Das Gewohnte hat nicht nur hohe Anziehungskraft. Wenn der Automatismus erst mal ausgelöst ist, haben Sie gar keine Zeit mehr, zu entscheiden, ob Sie ihm folgen. Das bewusste Denken ist ja viel langsamer als Automatismen.

Sich ändern durch Handeln

Es gibt einen einfachen Weg, sich eine unerwünschte Gewohnheit abzutrainieren. Sie eignen sich stattdessen eine neue, gute Gewohnheit an. Diese wird dann das alte Muster überschreiben.

Es macht dabei keinen Unterschied, ob es sich um eine Verhaltens- Denk- oder Gefühls-Gewohnheit handelt.

Sobald Sie sich zu einer Änderung Ihrer Gewohnheit entschlossen haben, handeln Sie! Das heißt, beginnen Sie mit dem neuen Verhalten unverzüglich und ohne weiter darüber nachzudenken.

Nachdenken führt nämlich in dieser ersten, kritischen 40-Tage-Phase mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu, dass Sie wieder in das alte Muster zurückzufallen. Sie denken dann womöglich: „Warum soll ich mir das antun!? Das Gewohnte fühlt sich doch so gut an.“ Und ehe Sie es bemerken, hat das alte Verhaltensmuster sie wieder im Griff.

Wenn Sie jedoch sofort handeln, 40 Tage lang mit Freude üben und keine Ausnahme zulassen, stellt sich das beabsichtigte Ergebnis von selbst ein. Danach werden Sie es automatisch tun.

 

Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer

Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer, Beraterin, Seminarleiterin und Supervisorin inspiriert in ihrer Arbeit Klienten und Kunden, ihre innere Leichtigkeit wiederzuentdecken und kraftvolle Lösungen in schwierigen Situationen zu finden.