Lösen aus dem Sog einer Gewohnheit

Lösen aus dem Sog einer Gewohnheit

Eine Gewohnheit ist bequem. Sie läuft automatisch ab, fühlt sich leicht und vertraut an. Alles Neue erfordert dagegen Anstrengung.

Warum sollte man sich die Anstrengung antun, wenn man sich im Gewohnten doch so angenehm sicher fühlt? Der Sog zum Wohlfühl-Zustand in uns ist groß. Genau aus diesem Grund sind alte, eingeschliffene Verhaltensmuster so resistent gegen Veränderung.

Gewohnheiten schaffen Wohlgefühl

Im Beitrag Die Macht alter Gewohnheiten – 6 gute Nachrichten habe ich die Mechanismen beschrieben, die zur Herausbildung einer Gewohnheit führen. Ein wichtiges Prinzip dabei lautet: Wenn man regelmäßig praktiziert, ist nach knapp 6 Wochen das Neue zu einem Automatismus geworden.

Man braucht für diese erste Zeit den Willen, zu ändern, was man beabsichtigt. Dabei muss der Wunsch nach Änderung aus einem selbst kommen (s.a. Gute Vorsätze? So gelingt’s). Danach ist man durch die neu geschaffene Gewohnheit und das Wohlgefühl dabei automatisch motiviert. Man muss danach nicht mehr den Willen einsetzen. Durch jede weitere Wiederholung wird der Automatismus stabiler und das Wohlgefühl größer.

Wenn Ausnahmen zur Gewohnheit werden

Was passiert, wenn Sie in den ersten 6 Wochen eine Ausnahme machen? Das ist zunächst nicht weiter schlimm. Machen Sie einfach weiter mit dem Üben des neuen Verhaltens.

Wenn Sie die Ausnahmen aber öfters zulassen, was passiert dann? Sie wiederholen dann leider das Unterbrechen Ihrer neuen Handlung! Das heißt, Sie trainieren das Unterbrechen Ihrer guten Absichten. DAS wird dann als Gewohnheit im Gehirn verankert!

Ohne es zu wollen, hätten Sie dann eine „Änderungsresistenz“ geschaffen. Es wird dadurch schwerer werden, Ihr ursprüngliches Ziel zu erreichen.

Der biologische Mechanismus macht ja keine Unterscheidung zwischen einer erwünschten und einer unerwünschten Gewohnheit. Es funktioniert im Prinzip ganz einfach: Alles, was eine Zeit lang wiederholt wird, wird automatisiert.

Eine Gewohnheit ändern durch Handeln

Es gibt einen einfachen Weg, sich eine unerwünschte Gewohnheit abzutrainieren. Sie eignen sich stattdessen eine neue, gute Gewohnheit an. Diese wird dann das alte Muster überschreiben.

Es macht dabei keinen Unterschied, ob es sich um eine Verhaltens- Denk- oder Gefühls-Gewohnheit handelt.

Sobald Sie sich zu einer Änderung Ihrer Gewohnheit entschlossen haben, handeln Sie! Das heißt, beginnen Sie mit dem neuen Verhalten unverzüglich und ohne weiter darüber nachzudenken.

Nachdenken führt nämlich in dieser ersten, kritischen Phase mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu, dass Sie wieder in das alte Muster zurückzufallen. Sie denken dann womöglich: „Warum soll ich mir das antun? Das Gewohnte fühlt sich doch so gut an.“ Und ehe Sie es bemerken, hat das alte Verhaltensmuster Sie wieder im Griff.

Wenn Sie jedoch 6 Wochen lang handeln statt sich Grübeleien darüber hinzugeben, wird sich das beabsichtigte Ergebnis von selbst einstellen. Danach werden Sie es automatisch tun wollen.

 

Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer, Beraterin, Trainerin und Supervisorin inspiriert ihre Klienten und Kunden, innere Leichtigkeit wiederzuentdecken und kraftvolle Lösungen in schwierigen Situationen zu finden

 

Beitragsfoto: Pixabay