Es gibt Tage, die man schon mit vielen Aufgaben im Kopf startet. Selbst wenn man dann einiges erledigt, bleibt abends oft das bedrückende Gefühl, nichts geschafft zu haben. Wie man trotz voller To-do-Listen dennoch innere Ruhe finden und den eigenen Gedankenfluss beruhigen kann, zeigt dieser Beitrag.
Viele Aufgaben und das Gefühl, nie fertig zu werden
Heutzutage hat Aktivsein einen hohen Stellenwert. So wächst auch die Liste der Dinge, die man erledigen muss und die man können sollte. Sowohl im Beruf als auch im Privatleben sind darüber hinaus die Anforderungen höher und komplexer geworden. Alles passiert schneller, die Technik, die Kommunikation, die Vernetzungen. Und all das verlangt Aufmerksamkeit.
Es wirkt fast aus der Zeit gefallen, wenn jemand versucht, Dinge sich entwickeln zu lassen, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten oder etwas mit Muße zu tun. Wer bewusst weniger tut, wirkt dabei schnell so, als würde er sich nicht einbringen oder die Möglichkeiten nicht nutzen.
Viele Menschen beschreiben das daraus entstehendes Empfinden als Überforderung. Sie kommen kaum zur Ruhe. Der Blick springt meist sofort zum nächsten To-do.
So bleibt man über den Tag hinweg in permanenter Anspannung. Dazu kommt die Sorge, etwas zu versäumen, wenn man sich nicht darum kümmert, und das Gefühl, nie fertig zu werden.
Was dabei im Inneren passiert
Viele Aufgaben überfordern nicht nur, weil sie zahlreich sind. Sie überfordern, weil wir in Gedanken von einer Aufgabe zur nächsten springen, und weil wir versuchen, gleichzeitig mehrere Dinge zu tun.
Wir sind körperlich zwar hier, aber gedanklich schon bei der nächsten Aufgabe. Dadurch nie ganz bei dem, was wir gerade tun. Genau das macht das Gefühl, nie fertig zu werden, so hartnäckig.
Und oft fehlt auch einfach der Moment, in dem man zufrieden ist, eine Aufgabe gut erledigt zu haben. Das würde uns innerlich stärken. Ohne diesen inneren Abschluss bleibt ein unbefriedigendes Gefühl zurück, selbst wenn man einiges geschafft hat.
Die Last liegt also nicht nur in der Fülle der Aufgaben. Sie entsteht auch im Inneren: durch das ständige innere Drängen, alles im Blick behalten zu müssen.
Zwei Herangehensweisen, um den inneren Druck zu lösen
Die üblichen Zeitmanagementtechniken reichen oft nicht aus, weil sie selten das berücksichtigen, was im Inneren geschieht. Genau hier entfalten die beiden folgenden Herangehensweisen im Alltag oft eine überraschende Wirkung.
„Ich kann“ statt „ich muss“
Die erste besteht darin, den inneren Ton zu verändern, mit dem man zu sich selbst spricht. Statt zu denken: „Ich muss heute noch einkaufen, Mails beantworten, diese Anrufe machen …“, kann man bewusst umschalten auf: „Ich kann heute einkaufen“, „Ich kann diese Mail schreiben.“
Dieser Wechsel wirkt klein, doch er verändert die innere Haltung. „Ich kann“ erinnert daran, dass man handlungsfähig ist und selbst entscheidet. Das klingt freundlicher, leichter und die Dinge gehen oft müheloser von der Hand.
Die Wirkung ähnelt der Affirmation „Es wird leicht und einfach“, die ich im Beitrag Sich leichter fühlen – mit einem einfachen Satz beschrieben habe. Durch diesen kleinen Wechsel entsteht ein innerer Klang, der beruhigt und führt, statt zu drängen und zu erschöpfen.
In „sicheren Händen“
Die zweite Herangehensweise richtet sich an etwas, das kaum jemand bewusst bemerkt: Selbst wenn alles längst auf einer Aufgabenliste steht, tauchen die einzelnen Punkte im Kopf immer wieder auf. Nicht, weil sie jetzt dran wären, sondern meist aus Sorge, man müsse sie ständig im Blick behalten.
Dieses gedankliche Herumtragen und Hin- und Herspringen zwischen Aufgaben, das sogenannte Multitasking, macht uns nicht schneller, sondern im Gegenteil, es bindet viel Kraft.
Hier hilft es, die Dinge, die im Moment nicht anstehen, in „sichere Hände“ zu legen. Es ist ein innerer Schritt, bei dem wir sagen: „Es ist notiert. Es ist sicher. Ich kümmere mich darum, wenn die Zeit gekommen ist.“
Ob das nun die Aufgabenliste ist oder ein abendliches Ritual mit dem Notizbuch – entscheidend ist das Vertrauen, dass dadurch nichts verloren geht. Man muss es nicht länger im Kopf tragen.
In dieser Gegenwärtigkeit wird es möglich, Aufgaben zu erledigen, ohne sich von ihnen überrollen zu lassen.
Innere Ruhe trotz vieler Aufgaben
Diese beiden Herangehensweisen schaffen einen kleinen, aber spürbaren inneren Freiraum, in dem man wieder bei sich ankommt und das Gefühl loswird, nie wirklich zur Ruhe zu kommen.
Es entsteht dadurch auch oft eine Leichtigkeit, die man vorher nicht spüren konnte. Man kehrt in den Moment zurück, der tatsächlich stattfindet.
Ist eine Aufgabe erledigt, schenkt ein kurzer Moment des Nachspürens ein stilles Gefühl von Zufriedenheit und wirkt wie ein kleiner Kraftschub: Das ist geschafft!
Innere Ruhe entsteht also nicht erst dann, wenn die vielen Aufgaben weniger werden. Sie entsteht, wenn wir ihnen innerlich anders begegnen. Und manchmal genügt schon ein einziger bewusster Moment, damit der ganze Tag leichter wird.
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Als Diplom-Psychologin, Beraterin, Coach und Supervisorin inspiriert Anna-Maria Steyer Menschen, innere Klarheit, Leichtigkeit und stimmige Lösungen auch in schwierigen Situationen zu finden.
