Umgang mit Fehlern – warum die innere Haltung entscheidend ist
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Umgang mit Fehlern – warum die innere Haltung entscheidend ist

Ein Fehler passiert oft schneller, als man denkt. Ein Satz war unglücklich, eine Entscheidung zu früh getroffen, ein Schritt nicht gut abgestimmt. Was dann folgt, hat oft weniger mit dem Fehler selbst zu tun.

Dieser Beitrag zeigt, wie sehr unsere innere Haltung den Umgang mit Fehlern prägt – persönlich wie auch in Organisationen – und warum genau hier die Grundlage für Lernen, Entwicklung und eine tragfähige Fehlerkultur liegt.

Was Fehler innerlich auslösen

Wenn etwas schiefgeht, ist es oft kein großes Ereignis. Eine Rückmeldung kommt nicht gut an, etwas wird übersehen, ein Moment der Unachtsamkeit hat Folgen. Äußerlich lässt sich das meist benennen. Innerlich jedoch fühlt es sich oft ganz anders an.

Viele merken zuerst ein diffuses Unwohlsein. Es ist, als würde man innerlich kurz innehalten, vielleicht sogar die Luft anhalten. Etwas zieht sich zusammen. Man ist nicht mehr ganz bei sich, sondern beschäftigt sich mit dem, was hätte anders laufen sollen.

Manche Menschen ziehen sich innerlich zurück, andere werden unruhig oder rechtfertigen sich. Wieder andere gehen sofort in die Selbstkritik. All das geschieht meist automatisch, ohne bewusste Entscheidung. Der Fehler wird zum Auslöser für eine innere Bewegung, die spürbar größer ist als das Ereignis selbst.

Wenn aus einem Fehler mehr wird als ein Fehler

So bleibt es oft nicht bei dem, was passiert ist. Der Fehler bekommt schnell ein Eigenleben. Er steht nicht mehr nur für eine Handlung oder eine Entscheidung, sondern färbt auf das Bild ab, das man von sich selbst hat.

Aus Das ist schiefgegangen wird dann leicht Das war unprofessionell. Oder Ich hätte besser aufpassen müssen. Manchmal auch etwas Grundsätzlicheres: So etwas passiert mir immer oder Ich bin einfach nicht gut genug.

Es geht nicht mehr um einen konkreten Moment, sondern um eine Bewertung der eigenen Person. Der Fehler wird innerlich verallgemeinert und löst sich vom konkreten Moment. Er gehört dann nicht mehr zur Situation, sondern scheint etwas über einen selbst auszusagen.

In diesem Übergang liegt viel von dem verborgen, was den Umgang mit Fehlern oft schwer macht. Denn meist wiegt nicht der Fehler an sich schwer, sondern das innere Gewicht, das ihm gegeben wird.

Der Umgang mit Fehlern beginnt nicht erst im Gespräch

Die Art, wie Fehler innerlich bewertet werden, hat immer eine Vorgeschichte. Erfahrungen mit Erwartungen und Reaktionen von außen prägen sie über viele Jahre hinweg.

Wer früh gelernt hat, dass Fehler zu persönlicher Kritik führen, zu Rechtfertigungen oder zu stiller Distanz, entwickelt mit der Zeit eine feine Antenne dafür. Nicht aus Überempfindlichkeit, sondern aus Anpassung.

Fehler werden dann innerlich sofort abgefedert: War ja nicht so schlimm. Oft folgt eine Erklärung: Ich hatte einfach keine Zeit. Oder eine Relativierung, etwa indem man sich sagt, dass so etwas ja jedem passieren könne oder ohnehin keine großen Folgen habe. Manchmal geht es auch direkt in einen Selbstvorwurf: Das hätte mir nicht passieren dürfen. Mehr dazu in Selbstachtung statt Selbstkritik.

All das geschieht selten bewusst, sondern eher reflexhaft. Es ist der Versuch, sich zu schützen, damit nichts trifft, beschämt oder den eigenen Wert infrage stellt.

Diese unbewussten Schutzmechanismen verändern auch das Miteinander. Menschen werden vorsichtiger, wägen mehr ab, sagen weniger von dem, was sie tatsächlich bewegt.

Im beruflichen Miteinander zeigt sich das darin, dass Fehler vielleicht erwähnt, aber selten offen betrachtet werden. Statt gemeinsam zu verstehen, was passiert ist und was daraus gelernt werden könnte, geht es oft darum, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Siehe dazu auch Wo Transparenz im Team beginnt.

Umgang mit Fehlern ohne Vorwurf

Ein anderer Umgang mit Fehlern beginnt nicht mit mehr Offenheit nach außen, sondern mit einer veränderten inneren Haltung dem gegenüber, was passiert. Wenn Fehler nicht sofort mit Vorwürfen verbunden werden – auch nicht mit inneren –, muss nichts abgefedert werden.

Dann braucht es keine Rechtfertigungen, keine Relativierungen, keine vorsorgliche Selbstkritik, sondern Selbstachtung.

In solchen Momenten verändert sich das Gespräch. Es wird möglich, gemeinsam hinzuschauen: auf das, was passiert ist, auf Zusammenhänge, auf Bedingungen – und gemeinsam zu verstehen, was dahinterlag.

Fehler verlieren dann etwas von ihrem Bedrohlichen und werden zu Anlässen, innezuhalten, genauer hinzusehen und neue Möglichkeiten zu entdecken.

So wird Entwicklung wahrscheinlicher. Die Fehler bleiben sichtbar, aber sie überlagern nicht das, was trägt, was möglich ist und was wachsen kann.

 

Als Diplom-Psychologin, Beraterin, Coach und Supervisorin inspiriert Anna-Maria Steyer Menschen, innere Klarheit, Leichtigkeit und stimmige Lösungen auch in schwierigen Situationen zu finden.