Neue Kraft schöpfen: Das Glückstagebuch

Neue Kraft schöpfen: Das Glückstagebuch

In schwierigen Lebenssituationen konzentriert man sich vor allem darauf, das Nötigste zu schaffen. Es ist nicht leicht, sich da auch noch ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit zu erhalten oder gar neue Kraft zu schöpfen. In diesem Beitrag stelle ich ein kleines, tägliches Ritual vor, das neuen Schwung und ein neues Lebensgefühl geben kann.

Glückliche Momente sind im Alltag selten, oder?

Vermutlich hatten Sie auch schon mal den Eindruck, dass beglückende und Kraft spendende Momente im Alltag seltener vorzukommen scheinen als die schwierigen. Das kommt einem besonders dann so vor, wenn Probleme die ganze Aufmerksamkeit fordern.

Aber selbst in belastenden Zeiten gibt es erfreuliche Dinge. Wir bemerken sie nur seltener. Das hat damit zu tun, dass wir uns gedanklich und emotional meist öfter, länger und intensiver mit den belastenden Themen beschäftigen als mit den angenehmen.

Da man aber nur das wahrnimmt, worauf die Aufmerksamkeit gerichtet ist, entgeht einem schlicht viel Schönes und Erfreuliches. Das könnte also wieder mehr in den Blickpunkt gerückt werden. Dann würde man neue Kraft schöpfen.

„Nur wie?“ fragen dann viele und erklären: „Meine Situation ist so kompliziert. Ich kann daran nichts ändern.“

Wie lässt sich Kraft schöpfen, wenn die Umstände schwierig sind?

Auch wenn wir andere Menschen und die meisten äußeren Bedingungen nicht ändern können, eine Freiheit haben wir in jeder Situation. Wir können immer entscheiden, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Davon hängt ab, ob unsere Energie schwindet oder ob wir sie erhalten und sogar neue Kraft schöpfen können.

An dieser Stellte wenden meine Klienten meistens ein: „Ich kann gerade aber an nichts anderes denken. Es raubt mir sogar oft den Schlaf.“

In Seminaren mache ich dann ein kleines Experiment dazu. Die Teilnehmenden können da sehen und sogar körperlich spüren, wie ihre Kraft schwindet, wenn sie an etwas Unangenehmes denken. Wenn sie dagegen ihre Aufmerksamkeit innerlich auf etwas Angenehmes richten (das gelingt übrigens recht schnell), haben sie auf einmal viel Energie. Über dieses Ergebnis sind dann alle immer ganz verblüfft.

Entscheiden, worauf man seine Aufmerksamkeit richtet

Im erwähnten Experiment passiert die eindrucksvolle Wirkung innerhalb von Sekunden. Die Herausforderung besteht nur darin, die Aufmerksamkeit auch im Alltag immer wieder auf Erfreuliches und Kraft Spendendes zu lenken.

Das Kopfkino ist aber oft zu aufwühlend, als dass man seinen Fokus sofort davon abziehen könnte. Dann ist es hilfreich, erst mal etwas Entspannendes zu machen.

Konkrete Übungen, wie zum Beispiel die 4-6-10 Atemübung, die Drei-Sinne-Kurzmeditation oder die emotionale Selbststärkung haben den Vorteil, dass die wohltuende Wirkung rasch eintritt. Ein Hindernis könnte lediglich sein, dass man anfangs nicht daran glaubt, dass solche Praktiken etwas bringen. Es fehlt einfach noch die Erfahrung damit und das Erlebnis des guten Effekts. Man darf es also nicht nur beim Lesen dieser Übungen belassen.

Auch das nachfolgend beschriebene kleine Abendritual kann seine gute Wirkung nur dann entfalten, wenn Sie es tatsächlich und mit Hingabe praktizieren. Aber das wird nicht schwer sein, denn es ist eine recht beglückende Übung. Sie lenkt Ihre Aufmerksamkeit auf das Schöne und Erfreuliche in Ihrem Alltag.

Glückstagebuch führen und neue Kraft schöpfen

Besorgen Sie sich ein schönes Notizbuch, Ihr neues Glückstagebuch. Bevor Sie sich abends schlafen legen, gehen Sie den Tag gedanklich durch und schreiben Sie in dieses Tagebuch:

Kraft schöpfen: Glückstagebuch führen

Achten Sie dabei auf alles, was gut gelaufen ist, was Ihnen Freude bereitet hat und woraus Sie Kraft schöpfen konnten. Das können Begegnungen mit anderen sein, erfreuliche Dinge oder glückliche Zufälle. Es können auch schöne Gesten sein, die Sie erlebt haben oder die Sie anderen geschenkt haben und noch so vieles mehr.

Es wird vermutlich Tage geben, da wird es Ihnen nicht leichtfallen, einen Punkt aufzuschreiben. Aber machen Sie sich die Mühe, finden Sie ihn und gehen Sie nicht eher zu Bett. Und es wird Tage geben, an denen werden Ihnen auf Anhieb fünf oder mehr Punkte einfallen.

Vielleicht kommt es Ihnen nach einer Weile etwas komisch vor, jedes Mal mit den gleichen Worten zu beginnen. Setzen Sie dennoch „Heute war ich glücklich“ immer an den Anfang Ihrer Aufzählung.

Mit diesem kleinen Abendritual üben Sie, Ihre Aufmerksamkeit zu lenken. Das Schöne in Ihrem Alltag bekommt in Ihrer Wahrnehmung dadurch mehr Raum als vorher. Sie werden anschließend mit leichteren Gedanken als sonst einschlafen. Auch tagsüber wird sich mit der Zeit etwas verändern. Sie werden es bemerken!

 

Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer, Beraterin, Trainerin und Supervisorin inspiriert ihre Klienten und Kunden, innere Leichtigkeit wiederzuentdecken und kraftvolle Lösungen in schwierigen Situationen zu finden

 

Beitragsfoto: Pixabay