Hindernisse überwinden: Zwei Wege, die wieder in Fluss bringen
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Hindernisse überwinden: Zwei Wege, die wieder in Fluss bringen

Manchmal wirken Hindernisse größer, als sie sind. Oft entsteht dieser Eindruck durch die gewohnten inneren Bilder und Reaktionen. Dieser Beitrag zeigt zwei Wege, um Hindernisse zu überwinden und wieder mehr Leichtigkeit und Bewegung in schwierige Situationen zu bringen.

Wenn ein Hindernis sich kaum überwinden lässt

Manchmal wirken Probleme oder festgefahrene Situationen mit anderen wie unüberwindbare Hindernisse. Man ringt schon länger damit, wünscht sich eine Lösung, und doch bewegt sich kaum etwas.

Oft liegt dieser Eindruck jedoch weniger an der anderen Person oder an der Situation selbst, sondern an den Vorstellungen über den anderen, die sich im eigenen Kopf gebildet haben.

Diese Gedanken und inneren Bilder begleiten einen meist schon eine Weile, und man hat sich so an sie gewöhnt, dass sie die Wahrnehmung erheblich prägen. Sie bilden eine Art inneren Hintergrund, der so selbstverständlich geworden ist, dass man ihn kaum noch bemerkt.

Wie innere Bilder den Blick verengen

Doch diese inneren Bilder haben eine erstaunliche Wirkung: Sie formen die Erwartungen, färben den Blick und bestimmen, worauf die Aufmerksamkeit sich richtet. So nimmt man bei Hindernissen vor allem das wahr, was nicht funktioniert.

Wenn so eine schwierige Situation schon länger anhält, verfestigen sich die Vorstellungen. Das Bild vom anderen, die Gedanken darüber, wie sie oder er „immer ist“, oder die alten Erfahrungen, die man unbewusst hinzuzieht – all das erzeugt eine Art inneres Drehbuch. Sobald dieses aktiv wird, reagiert der Körper mit Stress.

Der Kopf versucht dann, einen Grund für dieses Gefühl zu finden, und findet ihn meist bei der anderen Person. Die gewohnten Deutungen der Situation werden bestätigt, und der Blick verengt sich weiter.

Unter Stress verstärkt sich auch noch die Tendenz, nur das wahrzunehmen, was zum gewohnten inneren Bild passt. Und so entsteht der Eindruck, dass sich diese Hindernisse kaum überwinden lassen.

Eine kleine Achtsamkeitsübung kann an dieser Stelle helfen, den Kopf erst mal freizukriegen.

Wenn der Blick weiter wird, lassen sich Hindernisse leichter überwinden

Sobald man erkennt, wie stark die eigenen inneren Bilder die Wahrnehmung prägen, entsteht ein erster Spielraum. Die bisherigen Vorstellungen wirken nicht mehr so zwingend, und man bekommt die Chance, die Situation neu zu betrachten.

Wenn der Blick weiter wird, richtet sich die Aufmerksamkeit nicht mehr nur auf das, was zum alten inneren Drehbuch passt. Es zeigen sich kleine Nuancen, die zuvor übersehen wurden: eine andere Reaktion des Gegenübers, ein Moment der Ruhe im eigenen Körper, eine Lösungsmöglichkeit, die sich langsam andeutet.

Solche Eindrücke verändern das Gefühl für die Situation. Probleme wirken weniger starr, Beziehungen weniger festgefahren.

Der erste Schritt – oft auch der schwierigste – besteht darin, die vermeintliche Sicherheit der gewohnten inneren Bilder einen Moment loszulassen.

Eine Reaktion, die nicht dem alten inneren Drehbuch folgt, fühlt sich zunächst ungewohnt an. Doch genau diese kleine Abweichung öffnet den Weg, Hindernisse auf eine leichtere Weise zu überwinden: nicht durch Druck, sondern durch einen Moment von Offenheit.

Zwei Wege, die wieder in Fluss bringen

Sobald Offenheit entsteht, zeigt sich oft auch eine Bewegung in der festgefahrenen Situation.

Um diese innere Bewegung zu unterstützen, helfen zwei Wege, die den Blick klären und das innere Muster langsam verändern.

1. Die Perspektive wechseln

Ein Wechsel der Perspektive schafft Abstand, und dieser Abstand verändert das innere Erleben. Es wird ruhiger und etwas weicher.

  • Sich für einen Moment vorstellen, wie der andere den gleichen Moment erlebt: Was könnte dieser Mensch gerade fühlen? Womit ringt er vielleicht selbst?
  • Oder sich innerlich einen Schritt zurücknehmen, wie jemand, der die Situation von außen beobachtet. Welche Stimmung liegt im Raum? Was lässt sich erkennen?

Wer möchte, kann diesen Schritt zusätzlich durch eine kurze Mitgefühlsmeditation begleiten, die ich in einem anderen Beitrag ausführlich vorstelle.

2. Etwas bewusst anders machen als bisher

Wenn Gedanken immer wieder dieselbe Spur ziehen, folgen die Handlungen automatisch. Man reagiert, wie man es immer getan hat. Und so bleibt die Situation, wie sie immer war.
Ein bewusst gesetzter kleiner Unterschied kann viel verändern:

  • langsamer atmen, bevor man antwortet
  • die Schultern lösen, statt sich innerlich zu wappnen
  • den üblichen Satz nicht aussprechen, sondern eine Frage stellen
  • oder die Aufmerksamkeit kurz auf die Füße am Boden richten, bevor man entscheidet

Solche minimalen Abweichungen unterbrechen das alte Muster. Und beide Wege öffnen innerlich Türen. Das, was eben noch wie ein Hindernis wirkte, beginnt sich zu bewegen. Das passiert wahrscheinlich nicht in großen Sprüngen, eher in kleinen Veränderungen, die die Situation wieder in Fluss bringen.

So entsteht Schritt für Schritt ein neuer Umgang. Und das, was wie ein Hindernis wirkte, lässt sich leichter überwinden.

 

Als Diplom-Psychologin, Beraterin, Coach und Supervisorin inspiriert Anna-Maria Steyer Menschen, innere Klarheit, Leichtigkeit und stimmige Lösungen auch in schwierigen Situationen zu finden.