Hindernisse überwinden: 2 überraschende Prinzipien

Hindernisse überwinden: 2 überraschende Prinzipien

Vielleicht haben Sie mit jemandem Schwierigkeiten und glauben, all die Hindernisse nicht überwinden zu können? Vielen meiner Klienten geht es so. Am Ende finden wir meist doch eine Lösung. In diesem Beitrag zeige ich zwei allgemeine, vielleicht sogar überraschende Prinzipien, um Hindernisse zu überwinden.

Hindernisse überwinden erscheint meist schwerer als es ist

Wenn wir mit jemandem Probleme haben, die schon lange dauern, haben wir oft den Eindruck, da sei ein riesiger Felsbrocken vor uns. Wir versuchen mit aller Kraft diese Blockade aus dem Weg zu räumen, doch nichts bewegt sich.

Wir konzentrieren uns dann die ganze Zeit vor allem darauf und haben demgemäß eine recht enge Perspektive. Die Folge ist, dass die Probleme dadurch noch größer und mächtiger erscheinen. Das wiederum feuert die Ausschüttung weiterer Stresshormone an und man sieht dann nur noch Gefahr.

Vielleicht ist die Gefahr aber gar nicht so groß? Vielleicht ist das Hindernis gar nicht so mächtig? Man kann es in dem Zustand aber nicht anders sehen und ist sich der eingeschränkte Vorstellungen von der Situation auch gar nicht bewusst.

Wie innere Bilder Hindernisse erschaffen

Diese inneren Bilder beeinflussen aber unsere Reaktionen. Man braucht beispielsweise nur an etwas Schweres zu denken, schon reagiert der Körper unwillkürlich mit Anspannung. Das ist eine natürliche Reatkion, denn die Muskulatur soll ja auf das Schwere vorbereitet sein.

Wenn der Körper dann unter Spannung ist, sucht der Kopf wiederum automatisch nach Gründen dafür. Er findet sie natürlich beim Anderen und sagt dann Sätze wie: „Wenn sie oder er doch einfach weniger xy wäre, dann wäre alles kein Problem“.

Solche stets gleichen Erklärungen und Vorstellungen machen die Anspannung schließlich zum Dauerzustand. Man wird dadurch immer kraft- und mutloser.

Wo könnte die Lösung liegen?

Es ist ein Teufelskreis. Wie könnte man ihn durchbrechen? Wir müssen uns dafür als erstes für die Tatsache öffnen, dass wir mit unseren eigenen Gedanken die Anspannung erzeugen.

Es sind unsere inneren Sätze, Bilder, Interpretationen, Zuschreibungen und Bewertungen, die den Eindruck von Schwere und Unüberwindbarkeit erzeugen und verstärken. Das geschieht natürlich nicht absichtlich. Es ist unbewusst und ein Automatismus. Wir sind es einfach gewohnt, die betreffende Situation so zu betrachten (s.a. Die Macht alter Gewohnheiten)

Genau hier liegt aber auch der Schlüssel. Wenn wir uns nämlich diesen Zusammenhang bewusst machen, haben wir die Möglichkeit, unsere Sichtweise zu ändern. Es ist ja nur eine Vorstellung!

Wir sind an diese Vorstellung aber so sehr gewöhnt, dass es uns vermutlich erst mal ziemlich abwegig erscheint, dass man das Ganze auch anders betrachten könnte. Der schwere Brocken (der lieblose Partner, die uneinsichtige Kollegin, der unfaire Chef) ist doch wirklich real und ein riesiges Problem oder etwa nicht? Warum sollte man selbst etwas ändern?

Hindernisse überwinden durch Perspektivenwechsel

Menschen, die es geschafft haben, ein großes Hindernis doch noch zu meistern, berichten übereinstimmend, dass sie vor allem ihre eigene Art und Weise, darauf zu schauen und zu reagieren, geändert haben.

Viele erkannten dabei, dass eine Menge Pobleme gar nicht draußen, sondern in ihnen selbst lagen. So konnten sie die Frage, wie diese Hindernisse zu überwinden sind, auf einmal ganz anders angehen.

Zu Anfang wird man aber erst mal sich selbst überwinden müssen, überhaupt eine andere Perspektive einzunehmen. Die persönliche Betrachtungsweise und das dazu passende Verhalten ist einem ja vertraut und alles Vertraute vermittelt Sicherheit (s.a. Lösen aus dem Sog einer Gewohnheit). Es ist aber nur ein trügerisches Gefühl der Sicherheit, denn man fühlt sich dadurch ja geradezu „zuhause“ im Problem.

Der erste, wahrscheinlich schwierigste Schritt wird daher sein, dieses Gefühl der Sicherheit für einen Moment aufzugeben. Es geht darum, dass Sie etwas Neues, Unbekanntes und daher Ungewohntes tun (s.a. Verkehrte Welt? Wie wir Weltbilder ändern können).

Prinzip 1: Etwas bewusst anders machen als bisher

Ihr gewohntes Verhalten führt dazu, dass auch Ihre Sicht auf die Situation und auf den Anderen gleich bleibt. Dadurch bleibt Ihr Gefühl von Hindernis auch gleich.

Sie bekommen ja auch erwartungsgemäß immer die gleichen Reaktionen von der anderen Person. Das wiederum verstärkt nur noch Ihre bisherige Sichtweise und Einstellung.

Wenn Sie also das nächste Mal mit der Person zu tun haben, machen Sie etwas ganz bewusst anders als bisher. Sie wird das nicht erwarten, denn sie hat von Ihnen höchstwahrscheinlich ebenso das Bild eines starren Felsenbrockens.

Es lohnt sich, auch wenn Sie sich zunächst dabei komisch und unsicher fühlen. Sie werden damit bei der anderen Person neue Reaktionen auslösen. Diese werden ein bisschen anders sein als die, die Sie von ihr gewohnt sind.

Dadurch wird etwas in Bewegung kommen. Die Perspektiven werden sich schließlich erweitern. Vielleicht ist es erst mal nur geringfügig. Wenn Sie aber an diesem Prinzip dranbleiben, kann sich mit der Zeit immer mehr bewegen.

Prinzip 2: Die Situation aus der Perspektive des Anderen betrachten

Das Ganze aus der Perspektive des Anderen zu betrachten, fällt den meisten schwer. Doch eigentlich brauchen Sie dafür nur ein wenig Vorstellungskraft und Bereitschaft, sich überraschen zu lassen. Sie müssen sich ja deswegen nicht mit der anderen Person identifizieren.

Fragen Sie sich schlicht und antworten Sie ehrlich: Was würde ich wohl fühlen, wenn ich Person X wäre und es mit jemandem wie mir zu tun hätte? Wie würde ich als Person X aufgrund dieses Gefühls auf jemanden mit meinem Verhalten reagieren?

Ich möchte die Antworten nicht vorwegnehmen. Sie werden aber sehr wahrscheinlich etwas erkennen, was Sie vorher noch nicht gesehen haben. Und es ist so: Je mehr Sie sehen, je breiter Ihre Perspektive ist, umso mehr Spielräume und Möglichkeiten tun sich auf. Dadurch erscheint das vor Ihnen Liegende immer weniger als Hindernis.

 

Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer

Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer, Beraterin, Trainerin und Supervisorin inspiriert ihre Klienten und Kunden, innere Leichtigkeit wiederzuentdecken und kraftvolle Lösungen in schwierigen Situationen zu finden