Ausmisten und Ballast abwerfen für die Seele

Ausmisten und Ballast abwerfen für die Seele

Sich von ungenutzten Dingen zu trennen, schafft Platz und bringt frischen Wind nicht nur in die Wohnung. Ausmisten hat auch die Wirkung, sich von innerem Ballast befreien zu können und Raum für die Seele zu schaffen. Eine kleine Anleitung für ein befreiendes Gefühl und mehr innere Leichtigkeit.

Überflüssiges ist Ballast für die Seele

Alle Dinge, die man nicht wirklich gerne hat und nicht nutzt, sind im Grunde genommen Ballast für die Seele. Es sind hier nicht jene Sachen gemeint, die vielleicht ohne einen praktischen Nutzen sind oder sogar irgendwie „schräg“, die man aber nichtsdestotrotz liebt. Es geht vielmehr um das Zeug, das man weder braucht noch mag. Diese Dinge nehmen nicht nur in der Umgebung Platz ein. Sie beschäftigen einen, wenn auch nur unbewusst. Dadurch beanspruchen sie emotionalen Raum

Doch warum hebt man überhaupt etwas auf, das man nicht wirklich haben will? Ein schlichter Grund ist, dass das mit der Zeit eine Angewohnheit geworden ist und nun eine Sogwirkung hat. Alle Gewohnheiten erzeugen ja ein angenehmes, vertrautes Gefühl. Möchte man die betreffende Gewohnheit überwinden, muss man sich erst mal ungemütlichen Gefühlen aussetzen (s.a. Die Macht alter Gewohnheiten). Diesen Zustand fürchten viele und belassen daher lieber alles beim Alten.

Doch mit jedem Ding, das man nicht mag, aber behält, schwingt eine Botschaft mit: „Du musst Last mit dir rumschleppen. Du hast keine Wahl.“ Je öfter man diese Botschaft unbewusst vernimmt, umso mehr glaubt man sie auch. Mit der Zeit wird daraus eine hinderliche Überzeugung. Die führt wiederum dazu, dass sich noch mehr Ballast ansammelt und das Ausmisten noch schwerer fällt. Dabei lässt sich so manches Belastende im Leben nicht so leicht entfernen wie Überflüssiges oder Störendes im Haus (s.a. Lösen aus dem Sog einer Gewohnheit).

Ausmisten für die Seele ist eine Übung in Selbstwertschätzung

Ein weiterer Hinderungsgrund, Überflüssiges wegzugeben, ist schlechtes Gewissen. Da wären z.B. die Geschenke, mit denen man nichts anfangen kann oder Kleidung, die einem nicht (mehr) gefällt. Man behält die Geschenke, weil sie an sich „gut gemeint“ waren und die Kleidung, weil sie ja noch „irgendwie gut“ ist.

Wirklich Freude bereiten sie einem aber nicht. Dennoch stellt man das eigene Bedürfnis hinten an und hofft damit, das schlechte Gewissen zu beruhigen. Los wird man es dadurch aber nicht, denn der imaginäre erhobene Zeigefinger droht, sobald man diese Sachen wieder erblickt. Wenn man sich durch Aufheben oder gar Horten dieser Sachen immer wieder gegen sich selbst entscheidet, schwächt das mit der Zeit das Selbstwertgefühl.

Wenn man dagegen seine Bedürfnisse ernst nimmt und die ungeliebten Dinge weggibt, erlebt man Erleichterung und neuen Schwung. So hat eine Trennung von diesen Sachen nichts mit Egoismus zu tun, im Gegenteil, es bedeutet Selbstwertschätzung.

Oftmals traut man sich auch nicht, etwas auszusortieren, weil man Angst vor einer Fehlentscheidung hat: „Was, wenn ich das später doch mal brauche?“ Es wäre keine Katastrophe. Man stilisiert sie vielleicht zu einer. Heute lassen sich die meisten Dinge ja leicht beschaffen oder ersetzen. In Mangelzeiten war es anders und in der Tat sinnvoll, alles aufzuheben. Früher besaßen die meisten Menschen ja auch nur einen Bruchteil dessen, was wir heute im Schnitt besitzen. Dennoch halten viele an diesen Gewohnheiten fest, obwohl sie die überflüssigen Sachen als Last empfinden.

So kann Ausmisten zu einem guten Weg werden, ganz nebenbei hinderliche Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen, alte Gewohnheiten zu überwinden und sich in Selbstwertschätzung zu üben. Eine wunderbare Erfrischung für die Seele ist es allemal.

Ausmisten für die Seele: Die ersten 10 Dinge

Falls Sie sich bei dem einen oder anderen hier selbst wiedergefunden haben, möchten Sie vielleicht mit dem Aussortieren beginnen? Es geht dabei ja nicht um äußere Kriterien von Ordnung oder Ästhetik, sondern um Sie selbst.

Sie könnten damit anfangen, erst mal 10 Dinge ausfindig zu machen, die Sie nicht nutzen oder nicht mögen. Fragen Sie sich bei jedem Gegenstand, ob sie ihn wirklich behalten wollen. Horchen Sie dabei auf Ihre innere, vielleicht noch leise und zaghafte Antwort.

Wenn Sie diese 10 Dinge aussortiert haben, machen Sie aus der rein praktischen Frage, wohin nun damit, keine große Sache. Was getrost entsorgt werden kann, werfen Sie gleich weg. Das andere können Sie spenden, verschenken, tauschen oder verkaufen. Ballast für den einen kann durchaus Freude für einen anderen sein. Aber tun Sie das mit Entschlossenheit und so bald wie möglich.

Genießen Sie dann ausgiebig das befreiende Gefühl und die neue Leichtigkeit in der Seele.

 

Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer

Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer, Beraterin, Seminarleiterin und Supervisorin inspiriert ihre Klienten und Kunden, innere Leichtigkeit wiederzuentdecken und kraftvolle Lösungen in schwierigen Situationen zu finden