Ausmisten und Ballast abwerfen für die Seele

Ausmisten und Ballast abwerfen für die Seele

Sich von ungenutzten Dingen zu trennen, schafft Platz und bringt frischen Wind nicht nur in die Wohnung. Ausmisten bedeutet auch, sich von innerem Ballast zu entledigen und dabei auch Raum und Leichtigkeit für die Seele zu schaffen.

Überflüssiges ist Ballast für die Seele

Warum ist das so? Alles, was man nicht mehr nutzt oder noch nie gerne benutzt hat, ist im Grunde genommen Ballast. Das sind natürlich nicht jene Sachen, die vielleicht keinen praktischen Nutzen haben, die man aber liebt. Es geht vielmehr um all das Zeug, das man weder braucht noch mag, das vielleicht sogar stört. Diese Dinge nehmen nicht nur in der Umgebung Platz ein. Sie beschäftigen einen ja, wenn auch nur unbewusst, und belasten dadurch.

Doch warum hebt man überhaupt Dinge auf, die man nicht wirklich will? So wie wir als Kinder nicht nur nützliche, sondern auch hinderliche Überzeugungen von Erwachsenen übernommen haben (und sie unter Umständen Jahrzehnte lang mit uns schleppen), so haben wir irgendwann auch angefangen, Gegenstände zu behalten, die wir nicht wollen. Mit der Zeit ist das zu einer Angewohnheit geworden und hat nun eine starke Sogwirkung (s.a. Die Macht alter Gewohnheiten).

Alle Gewohnheiten erzeugen ja ein vertrautes Gefühl. Will man sie überwinden, muss man sich erst mal einem ungemütlichen Gefühl aussetzen. Diesen Zustand fürchten viele und belassen daher lieber alles beim Alten, auch das lästige Zeug (s.a. Lösen aus dem Sog einer Gewohnheit). Doch mit jedem Ding, das man nicht mag, aber behält, schwingt eine Botschaft mit: „Du musst Last mit dir rumschleppen. Du hast keine Wahl.“

Je öfter man diese Botschaft unbewusst vernimmt, umso mehr glaubt man sie auch. Mit der Zeit wird daraus eine richtig hinderliche Überzeugung. Die führt wiederum dazu, dass sich noch mehr Ballast ansammelt und das Ausmisten noch schwerer fällt. Dabei lässt sich so manches Belastende im Leben nicht so leicht entfernen wie ungeliebte Dinge im Haus. 

Ausmisten für die Seele ist eine Übung in Selbstwertschätzung

Ein weiterer häufiger Grund ist schlechtes Gewissen. Da wären z.B. die Geschenke, mit denen man nichts anfangen kann oder Kleidung, die einem nicht (mehr) gefällt. Man behält diese Sachen, weil einem sonst das schlechte Gewissen droht. Die Geschenke waren ja „an sich gut gemeint“ und die Kleidung ist ja auch noch „irgendwie gut“.

Dass die Dinge auch wirklich gut für einen selbst sein sollen, bewertet man aber als weniger wichtig und stellt daher eigene Bedürfnisse hinten an. Wenn man das immer wieder so macht, schwächt das mit der Zeit das Selbstwertgefühl.

Entgehen kann man schlechtem Gewissen durch Aufheben übrigens nicht. Es droht der erhobene Zeigefinger, sobald man diese Sachen wieder erblickt. Wenn man dagegen seine Bedürfnisse ernst nimmt, ausmistet und sich von ungeliebten Dingen trennt, erlebt man Erleichterung und neuen Schwung. So hat eine Trennung von diesen Dingen nichts mit Egoismus zu tun, im Gegenteil, es bedeutet Selbstwertschätzung.

Oftmals traut man sich auch nicht, etwas auszusortieren, weil man Angst vor einer Fehlentscheidung hat: „Was, wenn ich das später doch mal brauche?“ In Mangelzeiten war es in der Tat sinnvoll, alles Mögliche aufzuheben. Früher besaßen Menschen auch nur einen Bruchteil dessen, was wir heute im Schnitt besitzen. Doch heute lassen sich die meisten Dinge leicht ersetzen, selbst wenn man sie aus Versehen entsorgt haben sollte.

Dennoch halten viele an solchen alten Verhaltensgewohnheiten fest. Ausmisten ist jedenfalls ein einfacher Weg, hinderliche Denk- und Verhaltensmuster erkennen und verändern zu lernen.

Ausmisten für die Seele: Die ersten 10 Dinge

Falls Sie sich bei dem einen oder anderen hier selbst entdeckt haben, möchten Sie vielleicht zur Tat schreiten und mit dem Aussortieren beginnen? Es geht dabei ja nicht um äußere Kriterien von Ordnung oder Ästhetik und auch nicht um effektive Aufräumtechniken. Beim Ausmisten für die Seele geht es um Sie und darum, was Sie wirklich wollen (s.a. Fühlen Sie Ihre Ziele?). Es geht auch um überfällige Entscheidungen, die Sie lange hinausgezögert haben, die Ihnen am Ende aber einen Zuwachs an Energie bescheren werden.

Sie könnten damit anfangen, erst mal 10 Dinge ausfindig zu machen, auf die das oben Beschriebene zutreffen könnte. Fragen Sie sich bei jedem dieser Teile, ob Sie es wirklich mögen und daher behalten wollen. Horchen Sie auf Ihre innere Antwort.

Wenn Sie die betreffenden Sachen aussortiert haben, machen Sie aus der rein praktischen Frage, wohin nun damit, keine große Sache. Was getrost entsorgt werden kann, werfen Sie gleich weg. Das andere können Sie spenden, verschenken oder verkaufen. Ballast für den einen kann Freude für einen anderen sein. Machen Sie das aber sobald wie möglich, damit diese Gegenstände wirklich ihr Haus verlassen. Genießen Sie dann ausgiebig das befreiende Gefühl.

 

Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer

Dipl.-Psych. Anna-Maria Steyer, Beraterin, Seminarleiterin und Supervisorin inspiriert in ihrer Arbeit Klienten und Kunden, ihre innere Leichtigkeit wiederzuentdecken und kraftvolle Lösungen in schwierigen Situationen zu finden.